TITEL Suche nach einem geeigneten Forschenden an den beiden Hoch- schulen. Mit etwa 2.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft- lern ist das Potenzial groß, geeignete Expertise für das zu lösende Problem zu finden. Denn unter dem Dach der beiden Hochschu- len konzentriert sich viel anwendbares Wissen. Mit Kompetenzen in den Bereichen Materialforschung, Biotechnologie, Künstliche Intelligenz, Data Science, Smart Services und Products sowie Ge- sundheit, Pflege und Medizin steht ein riesiges Reservoir an Know-how zur Verfügung. Zusätzlich sei die Transferaffinität bei- der Hochschulen in den letzten Jahren enorm gestiegen, aus eige- ner Motivation, aber auch aufgrund politischen Drucks, betont Jansen. „Es gibt Forschende, die besonders aktiv und die gerne bereit sind, Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Geschäfts- modelle, Prozesse oder Abläufe zu unterstützen. Sie sind hoch motiviert, ihre Kompetenz in die Anwendung zu bringen.“ Die Nähe zur regionalen Wirtschaft ist dem ThinkTank wichtig. Re- gelmäßige Veranstaltungen sollen Hürden nehmen und helfen, den ThinkTank als ständige Anlaufstelle zu begreifen. Formate wie das Campus-Frühstück, die „Denkbar“, die durch die Region tourt und bestimmte Themen in den Fokus nimmt, verschiedene Makeathons oder das im letzten Jahr erstmals veranstaltete zweitägige Innova- tionsfestival, an dem 850 Unternehmensvertreterinnen und -vertre- ter teilgenommen haben, sind ideale Möglichkeiten, um die gesam- te Breite der Themen auf dem Campus kennenzulernen und mit Forschenden in Kontakt zu treten. Eine Fortsetzung folgt im kom- menden September. Dann steht die Materialforschung im Mittel- punkt. „Mit unseren Formaten möchten wir den Unternehmen zeigen, dass Transfer nicht erst passiert, wenn man ein großes Projekt auf die Beine stellt, sondern dass dieser viel früher beginnt: wenn man zum Beispiel das erste Mal mit einem Forschenden über ein im Unternehmen existierendes Problem spricht, für das man eine Lö- sung sucht“, sagt Jansen, der sich gerne auch als Kontaktkatalysa- tor bezeichnet. „Unternehmen können jederzeit an uns herantre- ten. Auch wenn wir nicht immer der Lösungsprovider sind, so können wir dank unseres großen formellen und informellen Netz- werks Kontakte zu anderen Partnern vermitteln.“ Gleichzeitig ist es auch Intention des ThinkTank OWL, das Grün- dungsgeschehen an den beiden Bielefelder Hochschulen bekann- ter zu machen. Studierende mit einer exzellenten Gründungsidee zu begleiten und das Netzwerk zu nutzen, um nach Möglichkei- ten einer Kooperation mit Blick auf die Lösung eines Problems in einem Unternehmen zu suchen und so einen Anwendungspart- ner zu finden. Im Rückblick auf die vergangenen Jahre sei die Nachfrage nach ihrem Angebot kontinuierlich gewachsen, erzählt der Netzwerker. Etwa zwei Jahre habe es gedauert, den Bekanntheitsgrad zu stär- ken und den Unternehmen in der Region die Marke ThinkTank OWL und die Idee dahinter zu vermitteln. Durch regelmäßige Ko- operationen mit anderen Netzwerken verstetige die Denkfabrik ihre Präsenz und Wahrnehmung, berichtet Jansen. Über die Vermittlungen in die Wissenschaft und was letztendlich daraus geworden ist, erfahren die Kontaktvermittler nur selten etwas. Was die Kooperation zwischen der Hochschule Bielefeld und der Diakonischen Stiftung Wittekindshof oder mit dem Unter- nehmen c-Trace (siehe Beitrag, Seite 14) angeht, gibt es Erfolg zu vermelden. ❚ ENTWICKLUNG INNOVATIVER SYSTEME FÜR DIE ENTSORGUNGSBRANCHE Verunreinigungen auf der Spur Bioabfälle müssen für die Weiterverarbeitung möglichst frei von Kunststoffen sein. Wissenschaftler der Hochschule Bielefeld haben in Kooperation mit dem Unternehmen c-trace einen Störstoffdetektor auf KI-Basis entwickelt und schaffen damit erstmals eine objektive Möglichkeit zur Feststellung des Verschmutzungsgrads. In der Halle des Deponiebetreibers KreisAbfallVerwertungsGesellschaft mbH Minden-Lübbecke (KAVG) auf der Pohlschen Heide in Hille liegt ein großer Haufen Biomüll: Entsorgungsfahrzeuge aus dem Kreisgebiet haben den Wertstoff aus Haushalt und Garten hierher gebracht, um ihn zu Kom- post zu verarbeiten. Doch bevor es so weit ist, müssen erst einmal die Stör- stoffe herausgefiltert werden. Insbesondere Kunststoffe hat man hier im Blick, die, wenn sie im Abfall bleiben, zu Mikroplastik zerkleinert und als Kompost in Gärten und Äckern landen würden. In Hille will man den Roh- stoff Abfall so sauber wie möglich machen. Nicht nur aus eigener Motiva- tion, sondern auch, weil der Gesetzgeber in der aktuellen Bioabfallverord- nung die Höhe des „Verschmutzungsgrads“ noch einmal verschärft hat. Kompostanlagenbetreiber sind deshalb verpflichtet, festzustellen, wie stark der Biomüll verschmutzt ist. Zwar erlaubt der Gesetzgeber eine Bewertung mit dem menschlichen Auge, eine hundertprozentige Sicherheit erreicht man jedoch nicht. Hier kann nur ein optisches Gerät helfen, das Störstoffe automatisiert mit Hilfe Künstlicher Intelligenz erkennt und die prozentuale Verschmutzung dokumentiert. c-trace, eines der innovativsten Unterneh- men in der Entsorgungs- und Abfallwirtschaft, mit Expertise in der Fahrzeug- technik, in Hard- und Softwareentwicklung sowie Künstlicher Intelligenz, möchte hier eine Lösung anbieten. Trotz eigener Forschungsabteilung su- chen die Bielefelder auch den Kontakt zu wissenschaftlichen Institutionen, wie der Hochschule Bielefeld (HSBI) oder der Universität. „Bei neueren The- men und dort, wo wir nicht die gesamte Expertise abbilden können, oder wenn es darum geht, unsere Prozesse zu beschleunigen, setzen wir auf Ko- operationspartner“, sagt Cedric Markworth, Teamleiter Strategische Neuent- wicklung im Hause c-trace. Das aktuelle Projekt ist ein Beispiel, bei dem der Entsorgungsspezialist mit der Hochschule Bielefeld und dem Praxispartner KAVG kooperiert. Gemeinsam wollen sie eine KI-Lösung zur Feststellung des Verschmutzungsgrads von Bioabfällen entwickeln. „Wir haben bereits in ei- nem anderen Projekt einen Störstoffdetektor auf KI-Basis erarbeitet. Für das aktuell laufende Vorhaben ist jedoch weitergehende KI-Expertise notwen- dig, sodass wir uns hier wissenschaftliche Unterstützung geholt haben“, sagt Markworth. Zielsetzung ist es, ein System zu entwickeln, das nicht nur tech- nisch in der Lage ist, sondern auch absolute Rechtssicherheit mitbringt. „Es ergibt wenig Sinn, wenn Anlagenbetreiber dem Kunden höhere Kosten we- gen eines höheren Verschmutzungsgrads für die Entsorgung in Rechnung stellen, der mit KI-Unterstützung ermittelt wurde und der rechtlich anfecht- bar ist“, beschreibt er die Herausforderung. Deshalb nutzte das Unternehmen zusätzlich das Know-how der Hochschule, um sich rechtlich abzusichern. Schließlich geht es hier auch darum, potenzi- 14 markt & wirtschaft 3 / 2026 zurück