TITEL temanbieter für die Nahrungsmittel-, Getränke- und Pharmaindustrie. Der Manager beschrieb, wie das börsennotierte Dax-40-Unternehmen nach sie- ben Gewinnwarnungen und tiefem Aktienkurs im letzten Jahr wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt ist. Dazu sei die Organisation mit einem veränder- ten Management neu aufgestellt worden. Von einigen Firmen aus dem Port- folio und Mitarbeitenden habe man sich getrennt und eine neue Leistungs- kultur mit klaren Regeln entwickelt. Klebert machte seine Sicht auf die Dinge deutlich: „Ein Unternehmen ist zu Spitzenleistung verpflichtet. Nur wenn es Spitzenleistung bringt, kann es dauerhaft bestehen und am Leben bleiben“, so der GEA-Chef. Von der Firma als große Familie wollte Klebert nichts wis- sen: „Ein Unternehmen kann keine Familie sein. Natürlich können wir zusam- men Spaß haben und gut zusammenarbeiten. Letztendlich zählt aber immer die Performance.“ Neben absoluter Leistungsbereitschaft innoviert GEA seit einigen Jahren im Bereich Nachhaltigkeit, indem es beispielsweise Anlagen mit dem Label „Add Better“ entwickelt, die nicht nur schneller produzieren, sondern dieselbe Leistung mit weniger Energieeinsatz und einer deutlich verbesserten Ressourceneffizienz erreichen. Klare Vorgaben hat man auch bei der Erreichung der Klimaziele: So reduzierte GEA seine Scope-1- und Scope-2-Treibhausgasemissionen bis Ende 2025 um 62 Prozent gegenüber 2019. Damit übertraf der Maschinenbauer das für Ende 2026 gesetzte Ziel von 60 Prozent um ein Jahr. Ein Beispiel, das zeigt, wie Transformation neue Chancen eröffnet, zu mehr Stärke führt und wieder mehr Wachstum generiert werden kann. Das sah auch Isabel Knauf, Mitglied des Gesellschafterausschusses des gleichnamigen Gips-Konzerns, ähnlich. „Die Stärke Deutschlands liegt in sei- ner Wandlungsfähigkeit – aber nur, wenn diese auch genutzt wird“, so Knauf. Zwar seien viele Unternehmen in der Automatisierung stark, nicht aber in der Digitalisierung und in der Nutzung von KI. „Die meisten Firmen haben das Prinzip Leanmanagement bereits verinnerlicht. Die Frage ist nun, wie lässt sich das Positive der Unternehmenskultur nutzen, um mithilfe der KI eine neue Produktivitätswelle in Gang zu setzen? KI heißt ja nicht weiter digi- talisieren, sondern Prozesse neu zu definieren“, so die Ingenieurin. Dabei sei es wichtig zu fragen, was der Kunde wirklich wolle und was man als Unter- nehmen erreichen möchte. „Nur so ist es möglich, die Prozesse im Großen zu definieren und einen erheblichen Fortschritt in der Produktivität zu erzielen.“ Mit Blick auf die geopolitischen Veränderungen und externen Rahmenbe- dingungen empfahl sie Unternehmen, darüber nachzudenken, was in Deutschland noch Sinnvolles geschaffen werden könne und welche Struk- turen dafür notwendig seien. „Fakt ist, wir werden mittelfristig keine Autos mehr nach Amerika exportieren können. Wir werden mittelfristig keine Autos mehr nach China liefern können“, sprach Isabel Knauf Klartext. Bürokratie, Mutlosigkeit und fehlendes Vertrauen als Wachstumsbremser Wie eine neue Wachstumsagenda aussehen muss und Deutschland nach Jahren der Stagnation wieder in die Erfolgsspur zurückkehren kann, dis- kutierten auch Sigrid Nikutta, ehemalige Deutsche Bahn Cargo-Chefin, Annika von Mutius von Empion und Romy Schnelle vom High-Tech Grün- derfonds (HTGF). „Ich glaube, dass unser sehr enges Regelset, gepaart mit einer gewissen Mutlosigkeit und fehlendem Vertrauen, die Gründe sind, die uns am Wachsen hindern.“ Von Mutius, die Beiratsmitglied des Wirtschafts- so- wie des Digitalministeriums ist, beschrieb den Alltag als Gründerin: „Wir haben riesige bürokratische Hürden. Es gibt so viele Dinge, die komplex sind, aber die wirkliche Herausforderung aus Unternehmersicht sind der Arbeitsmarkt und das Arbeitsmarktrecht.“ Romy Schnelle vom HTGF machte deutlich: 50 Prozent aller Finanzierungen im Portfolio des High- Tech-Gründerfonds – 800 Unternehmen – stammen von Kapitalgebern aus den USA oder Asien. Deshalb forderte sie: „Deutschland könnte schneller wachsen, wenn wir den Fokus auf das Wesentliche legen, weni- ger Kleinstaaterei haben, mehr gemeinsam anpacken, weniger Bürokra- tie, mehr Kapital und geringere Energiekosten.“ Unmissverständlich klare Worte fand auch René Obermann, Managing Director bei Warburg Pincus und früherer CEO der Deutschen Telekom. Deutschland und Europa müssten sich aus langjährigen Abhängigkeiten befreien, sagte er in seiner Keynote. Mit Blick auf die Grundelemente eu- ropäischer Souveränität kritisierte er: „Wir schießen uns durch Risikoaver- sion und durch Überregulierung in Europa seit Jahrzehnten beim Laufen ins eigene Knie.“ Und weiter kritisierte er: „Europa hat das Geld, die Indus- trie und die Technologie, um sich aus diesen gefährlichen Abhängigkeiten zu befreien. Was uns fehlt, ist der gemeinsame gesellschaftliche und der politische Wille und die harte Konsequenz, um militärische Kleinstaaterei in Paris, in Berlin und anderswo in Europa zu verlassen.“ Obermann mach- te deutlich: „Souveränität bedeutet nicht Autarkie. Das ist ein großes Missverständnis. Autarkie wäre naiv und schädlich.“ Was es braucht, so Obermann, sei eine integrierte europäi- sche Strategie mit Kapital, das tatsächlich in Schlüsseltechno- logien fließt, und einem politischen Willen, der über nationale Grenzen hinausgehe. Trotz dieser mahnenden Worte und nach zahlreichen Gesprä- chen mit Unternehmen und Gründern war auch in diesem Jahr wieder eine beeindruckend starke Energie zu spüren: die Viel- zahl an Ideen, motivierte Gründerinnen und Gründer sowie Unternehmen, die an den Standort Deutschland glauben und nicht sagen, hier geht nichts mehr. Das macht zuversichtlich. Mut war auch das Wort des Tages von Dominik Gross: „Die Hin- terland of Things hat gezeigt, dass Deutschland und Europa die Antworten kennen. Was jetzt zählt, ist der Mut, sie auch umzusetzen.“ Die nächste Hinterland of Things Konferenz findet am 10. Juni 2027 statt. ❚ Das Startup Minden Robotics präsentierte einen humanoiden Roboter, der für reale Arbeitsumge- bungen optimiert ist. Foto: Julian Huke Photography 18 markt & wirtschaft 7 / 2026 zurück